
Ein Altbau im Nordend, in Bornheim oder in Sachsenhausen ist für viele der Grund, überhaupt in Frankfurt zu wohnen. Für einen Umzug ist er die anspruchsvollste Gebäudeart der Stadt. Die Gründerzeitviertel folgen einem ähnlichen Bauprinzip: repräsentative, aber enge Treppenhäuser, hohe Räume, kleine Podeste, meist kein Aufzug und Straßen, an denen ganztägig geparkt wird. Dieser Beitrag beschreibt, was daraus praktisch folgt und welche Punkte vor dem Termin geklärt sein sollten.
Warum der Altbau anders funktioniert als der Neubau
In einem Neubau ist der Transportweg mitgeplant: gerade Läufe, ein Aufzug mit bekannten Kabinenmaßen, breite Flure, eine Zufahrt bis vor den Eingang. Im Gründerzeitbau war der Weg für Menschen gedacht, nicht für Schrankwände. Aus diesem Unterschied ergeben sich vier Engstellen, die den Ablauf bestimmen.
Die Geometrie des Treppenhauses
Der kritische Punkt ist selten die Stufenzahl, sondern die Form. Viele Altbautreppen sind gewendelt oder haben gewendelte Antritte, sodass die nutzbare Trittbreite an der Innenseite stark abnimmt. Handlauf und Geländer verengen den Lauf zusätzlich, und zwar genau auf der Höhe, in der ein getragener Schrank vorbeimüsste. Die Podeste vor den Wohnungstüren sind oft so knapp, dass ein langes Möbelstück nicht gedreht werden kann, ohne an die gegenüberliegende Wand zu stoßen.
Entscheidend ist deshalb nicht die Länge eines Möbelstücks, sondern seine Diagonale im engsten Abschnitt. Ein Stück, das im Flur bequem passt, kann an einer einzigen Wendung scheitern.
Hohe Räume, hohe Möbel
Gründerzeitwohnungen haben Raumhöhen, die deutlich über dem heutigen Neubaustandard liegen, häufig über drei Meter. Das hat zwei Folgen. Erstens sind Schränke und Regale in solchen Wohnungen oft überdurchschnittlich hoch, und viele davon wurden im Raum aufgebaut, weil sie fertig montiert nie durch das Treppenhaus gekommen wären. Zweitens passt ein Schrank aus einem hohen Altbauzimmer nicht zwangsläufig in die nächste Wohnung. Beide Raumhöhen gehören deshalb vor dem Umzug notiert, nicht erst beim Aufbau.
Türbreiten und Flure
Die lichte Breite einer Altbautür fällt oft schmaler aus, als der Grundriss vermuten lässt, und maßgeblich ist das Maß bei geöffnetem Türblatt, nicht die sichtbare Zarge. Dazu kommen Winkel: Ein schmaler Flur mit rechtwinkligem Abgang ist für sperrige Teile schwieriger als eine enge, aber gerade Strecke. Wo Türblätter aushängbar sind, gewinnt man einige Zentimeter, was gelegentlich den Unterschied zwischen Tragen und Zerlegen ausmacht.
Kein Aufzug, dafür Parkdruck
Fehlt der Aufzug, wird jedes Teil getragen, und zwar auf demselben Weg wieder zurück, wenn es oben nicht passt. Gleichzeitig ist der Parkdruck in den Gründerzeitvierteln durchgehend hoch. Jeder zusätzliche Meter zwischen Hauseingang und Ladefläche wirkt auf jeden einzelnen Gang.
Welche Möbel im Altbau fast immer zerlegt werden
Die Grundregel lautet: so wenig demontieren wie möglich, so viel wie nötig. Im Altbau verschiebt sich diese Grenze aber deutlich in Richtung Demontage. Regelmäßig betroffen sind:
- Große Kleiderschränke. Mehrtürige Korpusse sind fast nie durch eine gewendelte Treppe zu bekommen.
- Bettgestelle mit breitem Rahmen sowie Hoch- und Etagenbetten.
- Regalwände und Sideboards, besonders wenn sie über Eck montiert sind.
- Einbaulösungen und Herstellersysteme, die in der Wohnung zusammengesetzt wurden.
- Große Esstische, bei denen sich die Beine lösen lassen.
- Sofas, sofern Füße, Armlehnen oder Rückenteile abnehmbar sind.
Die Demontage ist dabei kein Notbehelf, sondern der schonendere Weg: Ein zerlegtes Möbelstück wird nicht gekippt, gequetscht oder an einem Handlauf entlanggeschoben. Wichtig ist, dass Beschläge sortiert, beschriftet und dem jeweiligen Stück zugeordnet werden, damit der Aufbau in der neuen Wohnung nicht zur Suche wird. Wie A&V Group Demontage und Wiederaufbau abwickelt, steht auf der Seite zur Möbelmontage.
Auch beim Packen wirkt sich das Treppenhaus aus: Kleinere, gleichmäßig befüllte Kartons lassen sich auf engen Wendungen besser führen als wenige schwere. Wer das nicht selbst übernehmen möchte, findet die Einzelheiten beim Verpackungsservice.
Der Möbellift und seine Grenzen
Ein Möbellift oder Außenaufzug führt Möbel und Kartons außen am Gebäude entlang zum Fenster oder zum Balkon. Er ersetzt das Treppenhaus vollständig, schont Wände und Handläufe und ist im Altbau häufig die einzige Möglichkeit, ein sperriges Stück unzerlegt nach oben oder unten zu bringen.
Vorausgesetzt ist allerdings eine freie, tragfähige Standfläche vor der richtigen Fassade. Genau daran scheitert er in den Gründerzeitvierteln regelmäßig:
- Baumbestand. Straßenbäume vor der Fassade stehen häufig genau dort, wo der Ausleger arbeiten müsste.
- Straßenbreite. Sehr schmale Straßen bieten keinen Platz, um den Lift aufzustellen und gleichzeitig den Verkehr passieren zu lassen.
- Hinterhof und Seitenflügel. Liegt die Wohnung nicht zur Straße, fehlt oft jede Zufahrt für das Fahrzeug.
- Leitungen und Aufbauten. Oberleitungen, Markisen, Balkone und Erker begrenzen den Weg nach oben.
- Die Fensteröffnung selbst. Maßgeblich ist die lichte Öffnung des geöffneten Flügels. Ist sie klein, nützt der Lift wenig.
Ob ein Lift eingesetzt werden kann, lässt sich seriös erst vor Ort beurteilen. Wird er eingesetzt, braucht er eine gesicherte Standfläche, und die gibt es in diesen Vierteln praktisch nur über ein Halteverbot.
Aufmaß: die Zahlen, die vorher feststehen sollten
Das Aufmaß der Engstellen ist die wirksamste Vorbereitung überhaupt, weil es alle späteren Entscheidungen trägt. Ein Zollstock und eine Notiz im Telefon reichen aus.
| Was gemessen wird | Warum es den Ablauf bestimmt |
|---|---|
| Lichte Breite von Haus-, Wohnungs- und Zimmertüren | Entscheidend ist das Maß bei geöffnetem Türblatt, nicht die Zarge |
| Breite des Treppenlaufs zwischen Handlauf und Wand | Der Handlauf verengt den Lauf oft stärker als erwartet |
| Tiefe und Zuschnitt der Podeste | Auf gewendelten Läufen ist das Podest der einzige Ort zum Drehen |
| Breite des Treppenauges | Bestimmt, ob senkrecht durchgereicht werden kann |
| Lichte Öffnung des größten Fensters oder der Balkontür | Grundlage für die Entscheidung über einen Möbellift |
| Raumhöhe in alter und neuer Wohnung | Hohe Schränke passen nicht in jede Zielwohnung |
| Maße und Diagonale der größten Möbelstücke | Die Diagonale ist das Maß, das beim Kippen zählt |
Ergänzend gehören Etage, Anzahl der Halbgeschosse und die Lage der Wohnung im Haus dazu, also Vorderhaus, Seitenflügel oder Hinterhaus. Diese Angaben in der Anfrage machen jede Einschätzung belastbarer.
Bodenschutz und Rücksicht auf die Substanz
Alte Dielen, historische Fliesen im Hausflur und Treppenstufen aus Holz oder Naturstein sind empfindlich und in vielen Häusern der Grund, warum die Hausverwaltung genau hinsieht. Sinnvoll sind abgedeckte Laufwege im Treppenhaus und in den Fluren, Kantenschutz an Wänden und Handläufen sowie Schutz für die Hauseingangstür, die den ganzen Tag offen steht. Möbel werden auf Dielen getragen, nicht geschoben, weil geschobene Füße Kratzer hinterlassen, die sich nicht mehr herausnehmen lassen.
Steht das Gebäude unter Denkmalschutz oder ist das Treppenhaus aufwendig gestaltet, gehört der Umfang des Schutzes vorab besprochen und in den Auftrag aufgenommen.
Nachbarn und Hausverwaltung
In dicht bewohnten Häusern ist der Umzugstag für alle spürbar. Eine kurze Ankündigung im Treppenhaus, ein paar Tage vorher, verhindert die meisten Konflikte. Zu klären sind außerdem: Wer stellt sicher, dass die Hauseingangstür offen bleiben darf, gibt es Ruhezeiten oder Vorgaben der Hausordnung, existiert ein zweiter Zugang über Hof oder Nebeneingang, und wer hat Zugang zu Keller und Speicher. Bei Wohnungen im Hinterhaus lohnt die Frage, ob die Durchfahrt für ein Fahrzeug nutzbar ist.
Halteverbot: in diesen Vierteln Grundlage, nicht Zusatz
In Nordend, Bornheim und Sachsenhausen morgens auf eine Lücke vor dem Haus zu hoffen, ist keine Planung. Eine temporäre Halteverbotszone sichert die Fläche, verkürzt den Tragweg und ist Voraussetzung für jeden Möbellift. Wie A&V Group das übernimmt, steht auf der Seite zur Halteverbotszone; Zuständigkeit, Ablauf und Fristen sind ausführlich im Beitrag Halteverbotszone in Frankfurt beantragen beschrieben. Vorlaufzeit, Unterlagen und Gebühr erfragen Sie vor der Antragstellung bei der zuständigen Stelle der Stadt Frankfurt am Main, da sich diese Angaben ändern können.
Zwei Punkte, die im Altbau besonders zählen: Die Zone sollte vor dem richtigen Hauseingang liegen und nicht hinter der Ecke, und sie braucht zusätzliche Länge, wenn ein Lift aufgestellt wird.
Die Viertel im Einzelnen
Nordend
Das Nordend ist eines der dichtesten Gründerzeitviertel der Stadt, überwiegend geschlossene Blockbebauung mit mehreren Vollgeschossen und Wohnungen bis unters Dach. Die Straßen sind vielerorts von Bäumen gesäumt, was das Viertel prägt und zugleich der häufigste Grund ist, warum ein Möbellift nicht direkt vor der Fassade stehen kann. Der Parkdruck ist ganztägig hoch, auch außerhalb der Stoßzeiten.
Bornheim
Bornheim mischt Gründerzeitbestand mit Nachkriegsbauten. Enge, gewendelte Treppenhäuser und obere Etagen ohne Aufzug sind hier ebenso verbreitet wie im Nordend. Der Unterschied liegt auf der Straße: Entlang der Geschäftsstraßen kommt Liefer- und Durchgangsverkehr hinzu, sodass eine Halteverbotszone früh beantragt und ihre Lage genau festgelegt werden sollte. In den ruhigeren Nebenstraßen ist die Zufahrt einfacher, die Wege im Haus bleiben dieselben.
Sachsenhausen
Südlich des Mains treffen zwei Bebauungstypen aufeinander: großzügige Gründerzeitblöcke einerseits, sehr kleinteilige und enge Bebauung im alten Ortskern andererseits. Dort sind manche Gassen für ein großes Umzugsfahrzeug kaum befahrbar, sodass mit kleinerem Fahrzeug und mehreren Fahrten gearbeitet wird. Hinzu kommt abendlicher Besucherverkehr, weshalb sich Verladung und Anlieferung besser in die erste Tageshälfte legen lassen.
Westend, Bockenheim und Ostend
Im Westend stehen großzügige Stadthäuser und Villen, viele davon in Wohnungen oder Büros aufgeteilt; die Treppenhäuser sind oft breiter, die Möbel dafür größer, und am Rand des Viertels kommen Hochhäuser mit Aufzugsbuchung und festen Anlieferzeiten hinzu. Bockenheim ist kleinteilig und dicht bebaut, mit vielen Wohnungen im Seitenflügel oder Hinterhaus und entsprechend schmalen Zufahrten. Im Ostend stehen Gründerzeitzeilen neben Gewerbe- und Neubauflächen: Die Zufahrt ist streckenweise einfacher, die Engstellen im Haus sind es nicht. Einen Überblick über alle Stadtteile gibt die Seite zu Umzügen in Frankfurt.
Fehler, die sich vermeiden lassen
- Nur Länge und Breite eines Schranks notieren und die Diagonale vergessen.
- Davon ausgehen, dass ein Möbelstück wieder herauskommt, weil es einmal hineingekommen ist. Es wurde häufig im Raum montiert.
- Den Möbellift fest einplanen, ohne die Standfläche und die Fensteröffnung geprüft zu haben.
- Die Raumhöhe der neuen Wohnung nicht messen und den hohen Schrank trotzdem mitnehmen.
- Das Halteverbot nur für eine Adresse beantragen.
- Beschläge in eine gemeinsame Tüte werfen, statt sie dem Möbelstück zuzuordnen.
- Treppenhaus und Hausflur ungeschützt lassen und die Diskussion mit der Hausverwaltung auf den Abend verschieben.
Geklärt wird das bei der Besichtigung
Alle genannten Punkte lassen sich am Telefon nur schätzen und vor Ort in kurzer Zeit klären: Treppenhaus und Podeste, Türbreiten, Fensteröffnungen, Standfläche für einen Lift, Zufahrt, Lage der Wohnung im Haus und die Frage, welche Möbel zerlegt werden. Die Besichtigung und Beratung vor Ort ist kostenlos und unverbindlich und bildet die Grundlage für ein belastbares Angebot zum Privatumzug.
Der Unterschied zwischen einem ruhigen und einem zähen Umzugstag im Frankfurter Altbau liegt fast immer in denselben drei Dingen: gemessene Engstellen, eine gesicherte Fläche vor dem Haus und eine vorher getroffene Entscheidung darüber, was zerlegt wird und was nicht.
Häufige Fragen
Warum ist ein Umzug im Altbau aufwendiger als in einem Neubau?
Weil der Weg zwischen Wohnung und Fahrzeug enger, länger und verwinkelter ist. Gewendelte Treppenläufe, kleine Podeste, schmale Türen und ein fehlender Aufzug führen dazu, dass mehr Möbel zerlegt und mehr Teile einzeln getragen werden müssen. Hinzu kommt der hohe Parkdruck in den Gründerzeitvierteln.
Welche Möbel müssen im Altbau fast immer demontiert werden?
In der Regel große Kleiderschränke, Bettgestelle mit breitem Rahmen, hohe Regalwände und Einbaulösungen, die in der Wohnung montiert wurden. Häufig kommen Sofas mit abnehmbaren Füßen und Armlehnen sowie große Tische dazu. Ob ein Stück am Stück durchpasst, entscheidet die Diagonale im engsten Treppenabschnitt.
Wann lässt sich im Frankfurter Altbau kein Möbellift einsetzen?
Wenn keine tragfähige, freie Standfläche vor der richtigen Fassade zur Verfügung steht. Typische Hindernisse sind Alleebäume vor dem Haus, sehr schmale Straßen ohne Aufstellbreite, Oberleitungen sowie Wohnungen zum Hinterhof oder im Seitenflügel. Auch die lichte Öffnung des Fensters begrenzt, was tatsächlich hineinpasst.
Worin unterscheiden sich Umzüge in Nordend, Bornheim und Sachsenhausen?
Die Bausubstanz ähnelt sich, die Straßensituation nicht. Im Nordend ist der Baumbestand vor den Häusern das häufigste Hindernis für einen Möbellift, in Bornheim der Liefer- und Durchgangsverkehr auf den Geschäftsstraßen, in Sachsenhausen der Besucherverkehr und die sehr enge Bebauung im alten Ortskern.